In seinem Vortrag vor der Seniorenunion sprach Walter Müller, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck, die große Verunsicherung der Bevölkerung in Deutschland durch die Niedrigzinspolitik der EZB an.P1040017

Aus seiner Sicht hält die EZB die Zinsen in der gesamten EU künstlich niedrig um den hoch-verschuldeten EU-Staaten Zeit für wirtschaftliche Reformen und die Konsolidierung der Staatshaushalte zu schaffen. Müller sprach auch das Thema Bargeld an.

Trotz der Vorteile, die eine Welt ohne Bargeld hätte, bezeichnete er die aktuellen Diskussionen als „dämlich“ weil eben dieses Diskussionen die Menschen noch mehr verunsicherten.

Walter Müller nannte auch die Profiteure der Niedrigzinspolitik. Aus seiner Sicht sind dies vor allem die Kreditnehmer und hier als größter Kreditnehmer die öffentliche Hand in Deutschland. In einem Rechenbeispiel zeigte der Referent auf, wieviel sich die öffentliche Hand in Deutschland
im Laufe der Jahre durch die niedrigen Zinsen einspart. Er wies darauf hin, dass andere große EU Staaten noch viel höher verschuldet sind als Deutschland und deshalb noch viel mehr von diesen niedrigen Zinsen profitieren.

Dann ging Walter Müller auf die Ziele er EZB ein. Oberstes Ziel sei die Rettung des Euro. Weitere Ziele seien 3 % Wirtschaftswachstum in der EU, 2 % Inflation und auch ein schwacher Euro-Kurs zur Erleichterung der Exporte in Nicht – EU – Länder. Müller beschrieb das Phänomen der finanziellen Repression und wies darauf hin, dass eine Alternative dazu wohl ein Schuldenschnitt wäre. Wichtig sei aber für alle Sparer, dass hohe Zinsen nicht unbedingt auch eine gute Realverzinsung der Spareinlagen bedeuten. Man müsse diesbezüglich immer die erhaltenen Zinsen nach Steuern ins Verhältnis zur Inflation setzen.

P1040011Der Vorstandsvorsitzende der VRBank erläuterte auch die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf die Banken. Trotz extrem niedriger Zinsen für die Einlagen sei es in dieser Phase schwer, überhaupt noch Erträge zu erzielen.

Abschließend erläuterte Müller die Gewinner und Verlierer der Niedrigzinspolitik aus seiner Sicht. Gewinner seien die Eigentümer von Immobilien in der Region um München und auch die Sparer, die ihr Vermögen in verschiedene Anlageklassen wie z.B. Sachwerte und Aktienfonds aufgeteilt haben. Müller wies auf die Risiken hin, die die Niedrigzinspolitik gerade auch für die Altersvorsorge bedeutet. Pensionskassen, Rentenversicherungen und Lebensversicherungen würden deutlich niedrigere Auszahlungen leisten als vor einigen Jahren noch prognostiziert. Damit würden mögliche Vorsorgelücken noch viel größer werden als ursprünglich gedacht. Das Risiko der niedrigen Zinsen sei ohne Frage, dass die Kluft zwischen arm und reich in Deutschland noch größer wird.

Allerdings müsse man schon darüber nachdenken, welche Alternativen es zu der Niedrigzinspolitik der EZB gegeben hat. Das Ende des Euro? Den wirtschaftlichen Kollaps vieler EU-Länder? Rezession und Arbeitslosigkeit? Müller wies abschließend nochmals auf die Chancen der Niedrigzinspolitik für die anderen EU – Länder hin. Allerdings sei fraglich, ob diese Chancen auch genutzt werden. So bliebe die Niedringzinspolitik der EZB ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Die Niedrigzinspolitik der EZB – eine Enteignung der Sparer?